Wasserwaage richtig benutzen

Umgang mit einer Wasserwaage - Halten, ablesen & Genauigkeit prüfen

Unter einer Wasserwaage versteht man ein Prüfgerät, mit welchem man die horizontale und vertikale Ausrichtung von Objekten bestimmen kann. Mancherorts wird eine Wasserwaage auch Richtwaage oder Maurerwaage genannt.

Wichtigstes Bestandteil der Wasserwaage ist die so genannte Libelle. Dabei handelt es sich um ein Glasröhrchen mit zwei Markierungen, das mit Wasser oder Alkohol gefüllt ist. Eine Luftblase in der Flüssigkeit zeigt an, ob sich der überprüfte Gegenstand im Lot befindet. Hierfür sollte sich die Wasserblase genau mittig zwischen den beiden Markierungen auf dem Glasröhrchen befinden.

Um eine Wasserwaage richtig zu benutzen, gilt es zunächst einmal einige wichtige Kriterien zu beachten. Diese haben wir noch vor der eigentlichen Gebrauchsanweisung zusammengestellt:

Die Wasserwaage – keine Erfindung der Neuzeit

Die Anfänge der Wasserwaage sind schon aus den Zeiten des Pyramidenbaus der Ägypter bekannt. Diese nutzten beim Bau ihrer Pyramiden die Eigenschaften des Wassers um die Pyramidengrundplatte eben zu gestalten. Hierfür zogen sie einen Graben um die Grundfläche des geplanten Bauwerks und befüllten diesen mit Wasser. Da sich das Wasser stets selber ausgleicht und somit die Oberfläche eben ist, mussten sie die Grabenränder nur der Wasseroberfläche anpassen, um ein ebenes Fundament zu bekommen.


Bereits in der Antike fand eine Setzwaage (ein gleichschenkeliges Dreieck, in das eine Schnur mit einem Lot aufgehängt wurde) Verwendung. War der Untergrund „im Lot“ zeigte das Senkblei (Lot) genau auf die Mitte der Grundseite des Dreiecks.

Die Schlauchwaage ist ebenfalls schon ein recht altes System, das aber bis heute noch gern auf dem Bau eingesetzt wird. Sie dient dazu, den Höhenunterschied zweier Punkte auf der gleichen horizontalen Ebene festzulegen. Besonders bei größeren Entfernungen der Punkte ist die Schlauchwaage ein zuverlässiges Messinstrument. Bei der Bauvermessung im Rohbau wird mit ihrer Hilfe auch heute noch der sogenannte Meterriss ermittelt. Dafür wird ein Schlauch mit Wasser befüllt. Eine Markierung an den Enden des Schlauchs zeigt an, ob das Niveau an beiden Messstellen die gleiche Höhe hat.

Dem französischen Naturforscher Melchisedech Thevenot gelang es schließlich im Jahr 1661 die erste brauchbare Wasserwaage zu entwickeln, die mit einer Libelle funktionierte. Damit die Flüssigkeit in der Libelle auch frostsicher war, wurde in den Folgejahren statt Wasser Alkohol in die Libelle gefüllt.

Die bis heute verwendete Bauform der Wasserwaage wurde in den 1920er Jahren entwickelt.

Video: Wasserwaage richtig benutzen


Wasserwaagen von heute

Wasserwaagen gibt es mittlerweile in den unterschiedlichsten Ausführungen und Längen. Gerade im Maurer-Handwerk finden diese Messgeräte ein vielseitiges Einsatzgebiet.

Um die horizontale und vertikale Lage auch über einen größeren Abstand messen zu können, gibt es Wasserwaagen in den unterschiedlichsten Längen. Messlatten von 2 oder gar 3 Metern sind dann allerdings mit mehreren Libellen in der Horizontale ausgestattet.

Das Grundmaterial der Richtwaagen ist Hartholz, Aluminium und Kunststoff. Bei der Verwendung von Aluminium oder Kunststoff für das Gehäuse sind die Enden mit rutschfesten, leicht abgerundeten Kappen versehen. Besteht das Gehäuse aus Holz, werden die Enden des Holzes ebenfalls abgerundet. Wichtig ist, dass das verwendete Material leicht in der Hand liegt und wasserabweisend ist.

In aller Regel befinden sich in der Wasserwaage zwei Libellen. Die eine dient der horizontalen Ausrichtung und befindet sich in der Mitte der Längsseite. Die zweite Libelle befindet sich an einem der Enden des Gehäuses und hilft bei der vertikalen Ausrichtung.

Für die Überprüfung von Winkeln und Neigungen sind manche Richtwaagen mit einer zusätzlichen Winkellibelle ausgestattet.

Für den Profi gibt es selbstverständlich auch technisch ausgereifte Highend-Produkte. Diese sind mit digitaler Anzeige ausgestattet oder funktionieren mittels Lasertechnik.

  • Digitale Wasserwaagen sind mit einem modernen LCD-Display ausgestattet. Die Berechnung erfolgt zwar genauer als bei den analogen Modellen, dafür werden aber Batterien und eine ausführliche Anleitung benötigt. Manche Modelle sind zusätzlich mit einer Libelle ausgestattet.
  • Die Laser-Wasserwaage kommt überwiegend beim Innenausbau zum Einsatz. Sie gestattet einen sehr großen Arbeitsbereich und steht in der Messgenauigkeit der herkömmlichen Maurerwaage in nichts nach. Allerdings ist sie wesentlich komplizierter in der Anwendung und somit für den schnellen Gebrauch beim Bilderaufhängen eher nicht geeignet.

Da es sich bei der gebräuchlichsten Wasserwaage um die Ausführung mit Libelle handelt, wenden wir uns in diesem Ratgeber eben jenem Modell zu. Man bezeichnet diese Art übrigens auch als eine „analoge“ Wasserwaage.

Welche Länge sollte die Wasserwaage haben?

Um beim Kauf einer Wasserwaage die richtige Entscheidung zu treffen, sollte man wissen, welche Ausführung für welche Arbeiten am besten geeignet ist:

  • Für Fliesenlegerarbeiten und zur Elektroinstallation sind Wasserwaagen mit einer Länge von 20 cm Auch beim Möbelaufbau sind diese kurzen Modelle oft einfacher in der Handhabung.
  • Ähnlich sieht es mit der 30 cm langen Version Für andere Einsatzgebiete sind diese beiden Längen aber aufgrund ihrer geringen Messfläche eher ungeeignet.
  • Für den Gebrauch im Garten oder dem Haushalt sollte der Heimwerker daher Gehäuse mit einer Länge von 80 cm Diese Ausführungen werden von Hobby-Heimwerkern bevorzugt eingesetzt.
  • Beim Mauern oder dem Verlegen von Bodenplatten kommen bei Handwerkern in der Regel Modelle von 1 m in Frage. So lässt sich problemlos feststellen, ob einzelne Steine einer Reihe im Lot sind und auch die größeren Bodenplatten lassen sich optimal ausrichten.
  • Wenn aber die Fläche größer ist (z.B. beim Ausrichten von Wänden), kommen auch Richtwaagen von 2 m Länge in Frage. Bei den gängigen Raumhöhen von 2,40 m das ideale Maß.
  • Wenn eine Bodenplatte ausgebessert werden soll, benutzt mancher Profi sogar Wasserwaagen mit eine Länge von 3 m. Für den heimischen Gebrauch ist dieses Modell aber eher ungeeignet.

Ein kleiner Wasserwaagen-Test

Natürlich gibt es auch beim diesem Werkzeug große, preisliche Unterschiede. Wenn Sie nun also sicher gehen wollen, dass eine günstige Ausführung auch korrekt funktioniert, können Sie einen kleinen Test machen:

Legen Sie die Wasserwaage mit der Messfläche auf einen ebenen Untergrund und schauen, wo sich die Blase in der Libelle befindet. Nun drehen Sie die Wasserwaage um 180° und legen sie an genau der gleichen Stelle wieder auf. Befindet sich die Wasserblase in der Libelle beide Male in genau der gleichen Position, ist alles in Ordnung.

Aluminium, Kunststoff oder Holz – welche Ausführung soll ich wählen?

Wasserwaagen aus Aluminium sind besonders robust und eigenen sich hervorragend für den Außenbereich. Aber auch Kunststoff-Gehäuse sind sehr pflegeleicht und haltbar.

Bei empfindlichen Oberflächen wie Glas oder kratzempfindlichen Möbeln haben sich jedoch eher Holzgehäuse bewährt.

Worauf man bei dem Einsatz von Wasserwaagen achten muss

Damit man keine verfälschten Messergebnisse bekommt, darf die Messfläche der Wasserwaage weder beschädigt noch verunreinigt sein. Auch Herabfallen aus größerer Höhe sollte vermieden werden, damit die Messgenauigkeit keinen Schaden nimmt.

Eine Wasserwaage richtig benutzen

Wasserwaage senkrecht benutzen
Wasserwaage senkrecht benutzen

Präzise arbeitende Modelle zeigen Abweichungen von einem Millimeter pro Meter an. Damit also der Schrank gerade steht  oder die Bilder nicht schief aufgehängt werden, prüfen sie horizontal oder vertikal mit einer Wasserwaage nach, ob alles im Lot ist.

Dazu wird die Wasserwaage mit der Messfläche auf der Oberfläche aufgelegt. In der jeweiligen Libelle befindet sich eine Luftblase. Wenn alles schön gerade ist, befindet sich diese genau mittig zwischen den beiden Markierungen auf dem Glasröhrchen. Wenn nicht hebt man die Wasserwaage auf der einen Seite an und schaut wie sich die Blase bewegt. Dann auf der anderen Seite. Nun weiß man, welche Seite zu niedrig oder zu hoch ist und kann entsprechend ausgleichen.

Bei der senkrechten Überprüfung muss dann eine Korrektur nach links oder rechts erfolgen. Mit ein bisschen handwerklichem Geschick ist der Umgang mit der Wasserwaage also kein Hexenwerk und alles ist im „Lot“.

Letzte Aktualisierung am 17.10.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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