Schlüssel weg? Es muss nicht immer der Schlüsseldienst sein

Es ist schnell passiert: Mal eben durch die Hintertür hinaus, um einen Müllbeutel in der Tonne zu entsorgen und ein plötzlicher Windstoß schlägt die Türe zu, die sich nur von innen öffnen lässt. Der erste Instinkt gilt meist dem Schlüsseldienst, doch manchmal geht es auch anders.

Wann muss der Schlüsseldienst gerufen werden?

Der Schlüsseldienst hat hierzulande keinen guten Ruf. Zu viele schwarze Schafe in der Branche nutzen die Notlage der ausgesperrten Menschen schamlos aus und erstellen überhöhte Rechnungen. Wer mag schon argumentieren, wenn er abends um elf von einem geselligen Abend nach Hause kommt, nur noch ins Bett will und feststellt, dass der Wohnungsschlüssel verloren wurde?

Dabei kann sich jeder schützen und auf eine etwaige Notsituation vorbereiten. Idealerweise kann jemand einen zuverlässigen Schlüsseldienst in der eigenen Stadt empfehlen, dessen Nummer im Smartphone gespeichert und eventuell diskret irgendwo außen an der Haustür angebracht wird. Dies erspart die hektische Suche online, wenn das Unglück schon passiert ist, denn dann ist die Gefahr am größten, an ein schwarzes Schaf zu geraten.


Doch ist der Schlüsseldienst überhaupt erforderlich? Selbst, wenn es sich um einen legitimen Anbieter handelt, kommen schnell dreistellige Summen für Anfahrt, Arbeitskosten und Materialkosten zusammen. In manchen Fällen lässt sich das Problem auch selbst lösen. Dies hängt vor allem vom Schlosstypen und vom Ort ab. Wer sich abends im Dunkeln mit einem Draht an der Haustür zu schaffen macht, muss sich nicht wundern, wenn ein misstrauischer Nachbar die Polizei ruft.

Bei einer Wohnungstür in einem mehrstöckigen Haus sieht dies schon anders aus. Bei einem Einfamilienhaus kann es sinnvoll sein, eine Runde ums eigene Haus zu drehen: Mit Glück steht ein Fenster offen, durch das sich der Ausgesperrte Zutritt verschaffen kann. Je nach Lage ist es auch möglich, durch das Haus eines Nachbarn und dessen Garten in den eigenen Garten zu gelangen und durch die nicht verschlossene Hintertür wieder ins Haus zu gelangen.

DIY-Methoden zur Schlossöffnung

Es ist in unzähligen Hollywoodfilmen zu sehen und es funktioniert (mit Glück und Geschick) tatsächlich: Verschlossene Türen lassen sich mit einer Plastikkarte öffnen. Die Plastikkarte wird oberhalb des Schlosses vorsichtig zwischen Tür und Türrahmen geschoben und nach unten gezogen. Nun sollte die Plastikkarte den Schnapper in der Tür wegdrücken können. Anders als im Film klappt es meist nicht auf Anhieb, sondern muss einige Male probiert werden.

Der Haken an der Sache? Die Methode funktioniert nur bei Türen mit einer schlichten Federverriegelung oder einer Schrägfalle. Wichtig: Für die Türöffnung sollten nur relativ wertlose Plastikkarten verwendet werden, da der Magnetstreifen mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit beschädigt wird. Die Kreditkarte oder EC-Karte ist also keine so gute Idee. Besser sind selten oder nie genutzte Kundenkarten.

Bei komplizierten Schlössern, bei denen die Plastikkarte keine Chance hat, kann ein starker Draht als Türöffner dienen. Dieser funktioniert so ähnlich wie ein klassischer Dietrich: Er wird in das Schloss geschoben und drückt die Zähne des Zylinderschlosses hinab. Hier ist jedoch noch mehr Geschicklichkeit vonnöten als bei der Kartenvariante. Obendrein muss natürlich erstmal ein Draht her. Ein freundlicher Nachbar kann hier vermutlich aushelfen. Ideal geeignet in Länge und Dicke sind beispielsweise Metallspieße, die bei Grillen für Fleischspieße verwendet werden, oder lange Haarnadeln.


Weniger empfehlenswert sind Brachialmethoden: So kann das Türschloss einfach komplett mit einem Beil oder Hammer zerstört werden. Die anschließenden Kosten für eine neue Tür und einen neuen Türrahmen dürften die für einen Schlüsseldienst weit übersteigen. Wie die Actionhelden im Film die Tür einfach mit der Schulter oder einem gezielten Tritt durchbrechen, dürfte für die meisten Normalsterblichen in der Notaufnahme des Krankenhauses und nicht im eigenen Wohnzimmer enden: Beim Film werden nämlich besonders dünne und speziell präparierte Türen eingesetzt.

Wie lässt sich das Aussperren vermeiden?

Ein Patentrezept gibt es nicht. Im Idealfall kann der Zweitschlüssel bei einem vertrauenswürdigen Nachbarn oder bei einem in der Nähe wohnenden Freund hinterlegt werden. Im Zweifelsfall ist es noch immer günstiger, zehn Minuten dorthin zu gehen und den Schlüssel abzuholen, als den Schlüsseldienst kommen zu lassen. Auf keinen Fall sollte der Zweitschlüssel an klassischen Stellen versteckt werden, die jeder Einbrecher kennt: Unter dem Blumentopf am Eingang, in der Klappe des Briefkastens oder unter der Fußmatte.

Daneben gibt es heute praktische Lösungen zur diebstahlsicheren Aufbewahrung des Zweitschlüssels. Sehr beliebt sind sogenannte Schlüsseltresore: Dabei handelt es sich um kleine Kästchen, die unauffällig an der Hauswand angebracht und nur mit einem Code geöffnet werden können. Selbst wenn ein Einbrecher das Kästchen hinter einem Busch oder halb von der Regenrinne verborgen bemerkt, kann er es nicht knacken.

Eine andere Option ist eine falsche Dekoration, z.B. ein augenscheinlich halbverrottete Cola-Dose im Vorgarten oder ein künstlicher Tannenzapfen. Dies funktioniert natürlich nur, wenn es zum Vorgarten passt: Ist weit und breit kein Nadelbaum zu sehen, sticht der Tannenzapfen sofort ins Auge. Nicht gerade appetitlich, aber effektiv abschreckend ist eine künstliche Hundehinterlassenschaft: Welcher Einbrecher will schon prüfen, ob das Häufchen echt ist oder nicht?

Letzte Aktualisierung am 17.10.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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